Hallo zusammen,
in einem anderen Thread hat GarryMoon geschrieben:
"Was in Hypnose möglich ist, wenn alle Voraussetzungen passen? ALLES.
Sicherlich triftt das für nicht viel Hypnosen zu, aber es geht. Hierzu habe ich schon vor vielen Jahren Tests mit verschiednen Personen gemacht.
Ich möchte aber hierzu öffentlich nicht näher darauf eingehen. Was ich sagen möchte ist, dass ich mich dabei nicht auf Studien oder Aussagen von Kollegen stütze, sondern auf eigene Erfahrungen."
www.hypnoseausbildungscenter.de/forum/13-fragen-und-diskussionen-rund-um-hypnose-fuer-einsteiger/1548-spontane-posthypnotische-suggestion
Auf seine Anregung hin habe ich zu diesem Unterthema einen eigenen Thread eröffnet. [:)]
@Garry:
Hallo Garry, mein Einwand dagegen ist nicht, daß Du Unrecht hast. Ganz im Gegenteil, ich habe nicht die geringsten Zweifel an Deiner Darstellung.
Das liegt auch daran, daß viele Hypnotiseure und Forscher entsprechende Versuche gemacht, die zum selben Ergebnis kommen.
Im Grunde ist das eigentlich seit der ersten Zeit so. Viele Hypnotiseure unternahmen alle möglichen Versuche zum
Thema - und das gewöhnlich mit Erfolg!
So wurden Probanden (oftmals Patienten!) erfolgreich aufgefordert, Verträge zu unterschreiben, sich zu entkleiden, mit einem Revolver (der natürlich entladen war) auf eine andere Person zu schießen, jemanden mit Arsen zu vergiften (das in Wahrheit Puderzucker war), jemanden mit einem Dolch (in Wahrheit aus Gummi war).
Oder Probanden sollten nach hochgiftigen Schlangen greifen, wobei das schützende Glas bei der Beleuchtung vollkommen unsichtbar war.
Auch wurde Probanden suggeriert, daß sie ätzende Säure ins Gesicht von jemandem schütten sollen. Die Echtheit der Säure wurde bewiesen, indem ihnen gezeigt wurde, wie eine Münze sich in der Flüssigkeit in kürzester Zeit auflöst.
Wenn der Hypnotiseur ernsthaft vermittelte, daß er den Erfolg solcher Versuche wünschte, dann hatte er auch sehr viel Erfolg.
Extrem gefährliche, selbstschädigende und unmoralische Befehle wurden verfolgt.
Dies ist eigentlich unbestritten und unbestreitbar.
Hier liegt also keineswegs das Problem.
Die Frage ist eher, wie man solche Ergbnisse INTERPRETIERT.
Hier gibt es zwei Möglichkeiten:
1) Der Hypnotisand nimmt das Experiment als die "echte", Realität wahr, er glaubt, daß der Zucker wirklich Arsen ist, und er gehorcht und er gehorcht
trotzdem.
2) Oder er erkennt das Experiment als Experiment, das mit einer realen Situation nichts zu tun hat, ihm ist klar, daß das vermeintliche Arsen jarmlos ist, und er gehorcht eben
deshalb.
Und genau hier hat die Kritik schon früh eingesetzt.
Was wäre, wenn die Probanden sich völlig im Klaren darüber waren, daß es sich nur um harmlose Versuche handeln kann, egal wie glaubwürdig sie aussehen?
Befragungen haben genau diesen Verdacht bestätigt: Die Probanden wissen, daß niemandem etwas passieren kann.
Es stellt sich insbesondere die Frage, ob der Gehorsam Hypnotisierter viel mit der Hypnose zu tun hat.
Um das herauszufinden, wurden ab Mitte der 60er Jahre auch mit Nicht-Hypnotisierten experimentiert.
"Tief hypnotisierten" Subkjekten und "wachen" Versuchsperonen wurden dieselben extrem gefährlichen und selbstschädigenden Befehle gegeben.
Das Ergebnis war überraschend: In beiden Fällen gehorchten nahezu alle!
Entsprechend sieht es auch im "realen Leben" aus: Zwar gibt es beispielsweise leider Fälle von sexuellem Mißbrauch durch Hypnotherapeuten - aber auch durch andere Therapeuten.
Somit liegen zwei Schlußfolgerungen nahe: "Laborexperimente" sagen wenig über die Wirklichkeit - sie werden durch die Probanden durchschaut.
Gehorsam kommt nicht nur bei der Hypnose vor, sondern auch in anderen Siuationen, wo jemand eine "Autorität" ist. Beispielsweise Experimentalleiter oder therapeut.
Immer wieder wird auch behauptet, daß Hypnotisierte nur dadurch zu "Verbrechen" gebracht werden können, indem man ihnen eine falsche Realität suggeriert.
Beispielsweise würde man sie auffordern, jemanden mit Arsenzu vergiften, ihnen dabei aber suggerieren, daß, essich um harmlosen Zucker handelt.
Aber stimmt dasß
Es wurden viele erfolgreiche Experimente gemacht, bei denen den Probanden das exakte Gegenteil suggeriert wurde: Es wurde ihnen gesagt, daß harmloser Zucker gefährliches Arsen sei, und dennoch funktionierte es wunderbar.
Zudem können Probanden offensichtlich auch ohne hypnotische Illusionen zu allen möglichen Pseudo-Verbrechen gebracht werden.
Als beispielsweise Probanden befohlen wurde, nach hochgiftigen Klapperschlangen zu greifen, wurde der Häfte suggeriert, daß es sich um Teile eines Seils handelt.
Das machte aber keinen Unterscvhied: In beiden Fällen gehorchten fast alle - sowie auch die Wachen.
Wichtig war scheinbar nur, daß der Befehl glaubhaft gegeben wurde.
Außerdem gibt es viele Hinweise darauf, daß der Hypnotisierte auch bei größter Suggestibilität, tiefster Trance und den profundesten Halluzinationen auf einer entscheidenden Ebene Realität und Fiktion unterscheiden kann, und daß er auch auf dieses Wissen zurückgreifen und es in sein Handeln einbeziehen kann.
Das ganze Problem der Diskussion, ob man Hypnoitisierte zu allem bringen kann, ist ein bißchen so, als würde man an Fastnacht Männer auffordern, mit einem Revolver auf andere zu schießen.
Wenn dann herauskäme, daß 90% Männer mitmachen, wenn sie auf die richtige Art und Weise angesprochen werden, dann könnte man folgern, daß die allermeisten Männer aufgrund einer Bitte bereit sind, andere Menschen zu erschießen, und wie groß die
männliche Gewaltbereitschaft doch ist.
Aber solche Versuche beweisen natürlich nichts.
Erstens ist alles andere als selbstverständlich, daß diese Männer an den Ernst der Situation glauben. Sie können auch denken, daß es sich um eine nicht-alltägliche, besondere Situation handelt und glauben, daß sie es mit einem Scherz zu tun haben.
Entsprechend ist den Probanden bei einem Hypnose-Versuch offenbar auch klar, daß sie es mit einer besonderen Situation zu tun haben: Sie erkennen daß das Experiment nur ein Experiment ist, und nicht eine reale Situation.
Zweitens ist es auch alles andere als selbstverständlich, daß die Frauen weniger mitmachen würden als die Männer, wenn man sie auf dieselbe Weise ebenfalls am Karneval auffordern würde, auf jemanden mit einem Revolver zu schießen.
Es kann genau so gut sein, daß sie sich hinsichtlich ihrer Kooperation überhaupt nicht von den Männern unterscheiden (wie dies übrigens bei den Milgram-Experimenten tatsächlich der fall ist). Dann hat die Bereitschaft der Männer, die Bitte zu befolgen, vermutlich nichts mit dem männlichem Geschlecht zu tun.
Das entspricht der Tatsache, daß bei Hypnose-Experimenten zu "Verbrechen" die "Wachen" ebensogut mitmachen wie die "tief Hypnotisierten".
Daraus folgt eines:
Ich kann vllt eine Million Männer am Karneval dazu bringen, auf jemanden zu "schießen".
Das heißt nicht, daß sie das auch im Alltag und unter anderen Umständen täten, und auch nicht, daß der Erfolg iregendetwas mit ihrem Mann-Sein zu tun hätte.
Ganz entsprechend ist es aber auch mit den Hypnose-Experimenten: Ein Experiment ist in der Wahrnehmung der Beteiligten nicht das reale Leben, sondern nur ein Experiment, und ohne "Wache" mit einzubeziehen, kann man den Gehorsam eh nicht auf die Hypnose schieben.
Selbst 1000 erfolgreiche Versuche dieser Art erleuben keine Schlußfolgerung...